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Die Angst vor dem „Idiotentest“

Wie berechtigt ist die Sorge um eine MPU?

Bereits eine Alkoholfahrt genügt und die MPU ist fast unausweichlich. Sinn und Zweck der medizinisch-psychologischen Untersuchung, die im Volkmund als Idiotentest bezeichnet wird, ist festzustellen, ob ein Verkehrsteilnehmer der durch eine Alkoholfahrt o.ä. aufgefallen ist, seine Fahrerlaubnis behalten darf oder nicht.

Rund 90.000 MPU´s werden jährlich durchgeführt. 40 % der Probanten scheitern im ersten Anlauf, das ist fast jeder Zweite.

Wir versuchen Ihnen die MPU in diesem Artikel zu erklären, und wie Sie sich richtig vorbereiten können.

Was bedeutet eine MPU Anordnung für den Verkehrsteilnehmer?

Immer wenn eine Gericht oder eine Behörde Zweifel an Ihrer Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges haben, wird eine MPU angeordnet.

Bei der MPU prüft ein Sachverständiger, welches Risiko Sie für den Straßenverkehr darstellen. Es geht aber anders als bei der Führerscheinprüfung nicht um Verkehrsregeln, sondern um Ihre charakterliche Eignung. Nicht zwangsweise muß diese MPU Anordnung die Folge einer Alkoholfahrt oder eines hohen Punktestandes sein. Es kann durchaus vorkommen, dass Sie vor Jahren als Jugendlicher mal polizeilich aktenkundig wurden wegen einer Agressiv-Straftat (im Volksmund Prügelei) und Jahre später flattert Ihnen die MPU ins Haus, da irgendein Entscheider der Meinung war, Sie seien charakterlich nicht zu Teilnahme am Straßenverkehr geeignet. Solche Fälle haben wir in der Praxis schon erlebt.

Bei einem Scheitern der MPU wird die Fahrerlaubnis entzogen, oder keine neue erteilt.

Die Kosten der MPU

Die Kosten für das Gutachten liegen etwa bei bis zu 750 Euro und sind abhängig vom Vergehen. Dazu kommen noch die Kosten für Laboruntersuchungen und die Kosten für eine professionelle Vorbereitung.

MPU GrundKosten
Alkohol ab 600 Euro
Betäubungsmittel ab 750 Euro
Verkehrsrechtliche Gründe z.B. Punkte Stand, häufig auffällig geworden ab 390 Euro
Neurologisch-psychatrische Auffälligkeit ab 550 Euro
Körperliche Mängel ab 550 Euro

Die meisten MPU´s werden wegen Alkohol- oder Drogendelikten angeordnet.

Wie ist der Ablauf einer MPU?

Eine MPU setzt sich aus drei Stufen zusammen

  • eine medizinische Untersuchung
  • ein Reaktionstest
  • ein Gespräch mit einem Psychologen

In dem Gespräch mit dem Psychologen prüft dieser, ob Sie aus Ihren Fehlern gelernt haben und sich Ihr Verhalten im Straßenverkehr geändert hat. Sie müssen Ihre Fehler erklären und warum Sie sie überhaupt begangen haben. Sie müssen darlegen, wie Sie sicherstellen, dass sich Ihre früheren Fehler nicht wiederholen.

Unser Rat

Wir raten Ihnen in dem Gespräch offen und ehrlich aufzutreten. Vermeiden Sie Ausreden, warum Sie die Fehler begangen haben. Erwecken Sie nicht den Eindruck, dass Sie einen gelernten Text vortragen.

Der klassische Ablauf einer MPU

  1. Wie die MPU genau abläuft ist von Stelle zu Stelle gffs. unterschiedlich. Sie melden sich an, es wird geprüft ob die Gebühren eingegangen sind, dann erhalten Sie Informationen zum weiteren Ablauf.
  2. Man übergibt Ihnen Fragebögen zu Lebenslauf, Gesundheit und zum Untersuchungsanlaß.
  3. Am Computer wird Ihre Reaktionsfähigkeit getestet.
  4. Die Medizinische Untersuchung werden Ihre körperlichen Voraussetzungen geprüft.
  5. Dann erfolgt das Psychologische Gespräch von etwa 45 Minuten Dauer. Hier scheitern 50 % aller MPU Kandidaten
  6. Ca. 10 Tage nach dem Termin erhalten Sie das Gutachten mit den Untersuchungsergebnissen und der Beurteilung.

Wie kann man sich auf die MPU vorbereiten?

Die Durchfallquote liegt im ersten Anlauf zwar bei fast 50 %. Aber von den Kandidaten , die eine professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben bestehen über 80 % die MPU auf Anhieb (lt. Bundesanstalt für Straßenwesen). Insbesondere für Kandidaten die aus anderen Kulturkreisen kommen, ist es aufgrund der Sprachschwierigkeiten und der Mentalität oftmals schwerer die MPU zu bestehen.

TÜV und DEKRA bieten kostenlose Informationsabende zu diesem Thema an.

Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit professionelle Hilfe zu nutzen:

  • Individuelle Beratungsgespräche ( ca. 100 Euro)
  • Gruppenmassnahmen (zwischen 600 und 1000 Euro)
  • spezielle verkehrstherapeutische Einzelgespräche ( ab 1000 Euro)

Wie finde ich einen geeignete Berater?

Im Internet finden Sie viele Anbieter. Da wird mit unseriösen Versprechungen gelockt. Trainings für die richtigen Antworten auf die Fragen wird angeboten. Teilweise sogar mit Geld – Zurück – Garantie. Vergessen Sie diese Angebote. Mit Schauspielerei und erfundenen Stories werden Sie die MPU nicht bestehen.

Eine qualifizierte Beratung erhalten Sie nur von entsprechend ausgebildeten Psychologen mit Diplom. Er sollte darüber hinaus eine verkehrspsychologische Ausbildung haben und sollte sich im Straßenverkehrsrecht auskennen. Über solche Fachleute werden Sie z.B. auch auf den Informationsabenden von TÜV und DEKRA informiert.

Wenn eine MPU droht!

Der Brief kommt meistens von der Fahrerlaubnisbehörde. Die Drohung hat Potenzial. Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens zur Eignung mit einem Kfz am Straßenverkehr teilzunehmen oder Führerscheinentzug.

Was im Volksmund auch als Idiotentest bekannt ist, ist keine leichte Übung oder Überprüfung. Fast 50 % aller Teilnehmer bestehen den Test nicht, zumindest nicht beim ersten Anlauf. Das MPU`s nur bei Alkohol- oder Drogenproblemen angeordnet werden, ist ein Irrglaube. Im Falle einer Alkohol- oder BTMfahrt wird meistens schon vom Gericht die MPU angeordnet und kommt für den Betroffenen wenig überraschend.

Anders verhält es sich bei den Anordnungen durch die Fahrerlaubnisbehörde. Jedesmal wenn Sie ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit mit Punkteeintrag erhalten wird die für Sie zuständige Fahrerlaubnisbehörde informiert. Diese kann, wenn nach ihrer Ansicht „dass Maß voll ist“ eine MPU anordnen.

Die MPU wird immer dann angeordnet, wenn aus Sicht der Fahrerlaubnisbehörde oder eines Richters berechtigte Zweifel an Ihrer Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges bestehen.

Die häufigsten Gründe sind

  • Wiederholte Alkoholfahrten oder Fahrten mit mehr als 1,6 Promille
  • Fahrten unter Drogeneinfluß
  • Straftaten im Straßenverkehr
  • wiederholte Fahrverbote
  • 8 oder mehr Punkte im Fahreignungsregister Flensburg
  • Sonstige Straftaten, die auf eine fehlenden Eignung und ein Aggressionspotential schließen lassen

Bemerkenswert ist dabei, dass insbesondere beim letzten Punkt, die Straftat durchaus einige Jahre zurückliegen kann, bevor die Fahrerlaubnisbehörde tätig wird.

Bestes Beispiel aus der Praxis: Der Mandant hatte mal als Heranwachsender eine Schlägerei und hat wegen Körperverletzung einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 500 EUR und einigen Sozialstunden erhalten. 6 Jahre später fordert die für ihn zuständige Fahrerlaubnisbehörde von ihm die Vorlage einer erfolgreich bestandenen MPU und droht mit Entzug der Fahrerlaubnis.

Folgen einer MPU Anordnung

Wir eine MPU angeordnet, bestehen Zweifel an Ihrer Eignung als Verkehrsteilnehmen.

Bei der MPU beurteilt ein Sachverständiger welches Risikopotential von dem Verkehrsteilnehmer ausgeht. Es wird Ihre charakterliche Eignung geprüft.

Ablauf der MPU

Die MPU besteht aus drei Teilbereichen

  • Der medizinischen Untersuchung (kann auch eine Überprüfung der Blutwerte nach Alkohol oder Drogen beinhalten)
  • Ein Reaktionstest
  • Das Gespräch mit einem Psychologen

In letzterem wird überprüft, inwieweit Sie aus Ihren Fehlern gelernt haben und wie sich Ihr Verhalten im Straßenverkehr geändert hat. Dieses Gespräch ist nicht zu unterschätzen. Psychologen erkennen sehr schnell ob Sie nur einen vorbereiteten Text vortragen. Dieses Gespräch dauert ca 45 Minuten.

Sie werden zu den Delikten befragt, die zur MPU geführt haben. Man fordert Sie auf die diesbezüglichen Verkehrssituationen zu schildern und Sie sollen erklären, wie Sie zukünftig in solchen Situationen reagieren werden. Sie müssen mit Zwischenfragen des Psychologen rechnen. Am Schluß gibt dieser eine Beurteilung ab. Fast 50 % der Teilnehmer scheitern hier.

Dies liegt vorallem daran, dass viele meinen, dass Sie ein Vorbereitungsseminar nicht benötigen, oder die Kosten dafür scheuen. Je nach Art und Umfang liegen die Kosten solcher Vorbereitungen zwischen 500 und 1500 EUR.

Auch im Internet werden Sie auf Angebote sogenannter Online Vorbereitung stoßen. Teilweise sogar mit „Geld zurück Garantie“. Wir können davon nur abraten. Für eine gute Beratung sollten die Berater über eine verkehrspsychologische Ausbildung verfügen und möglichst selbst diplomierte Pychologen sein.

Wichtig! Achten Sie beim Antrag auf eine MPU immer darauf, dass das abschließende Gutachten nur an Sie versandt wird, keinesfalls an die Führerscheinstelle. Diese wird nicht automatisch vom Ergebnis informiert. Nur wenn Sie der Übersendung an die Behörde ausdrücklich zustimmen, wird das Ergebnis dieser auch mitgeteilt.

Wann droht der Führerscheinentzug?

Wenn Sie den Nachweis einer MPU nicht innerhalb der gesetzten Frist erbringen, wird Ihnen die Fahrerlaubnisbehörde den Führerschein einziehen.

Die Fristen werden relativ kurz gesetzt, sodaß, wenn Sie einen Aufforderungsbescheid zur MPU bekommen, Eile geboten ist. Kümmern Sie sich umgehend um eine entsprechenden Beratung bzw. Schulung. Legen Sie die Teilnahmebescheinigung der Führerscheinstelle vor.

Die Wartezeit auf das MPU Gutachten wird auch unterschätzt. Das Gutachten kommt in vielen Fällen erst nach 6-8 Wochen.