Wenn eine MPU droht!

Jul 4, 2021 Verkehrsrecht

Der Brief kommt meistens von der Fahrerlaubnisbehörde. Die Drohung hat Potenzial. Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens zur Eignung mit einem Kfz am Straßenverkehr teilzunehmen oder Führerscheinentzug.

Was im Volksmund auch als Idiotentest bekannt ist, ist keine leichte Übung oder Überprüfung. Fast 50 % aller Teilnehmer bestehen den Test nicht, zumindest nicht beim ersten Anlauf. Das MPU`s nur bei Alkohol- oder Drogenproblemen angeordnet werden, ist ein Irrglaube. Im Falle einer Alkohol- oder BTMfahrt wird meistens schon vom Gericht die MPU angeordnet und kommt für den Betroffenen wenig überraschend.

Anders verhält es sich bei den Anordnungen durch die Fahrerlaubnisbehörde. Jedesmal wenn Sie ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit mit Punkteeintrag erhalten wird die für Sie zuständige Fahrerlaubnisbehörde informiert. Diese kann, wenn nach ihrer Ansicht „dass Maß voll ist“ eine MPU anordnen.

Die MPU wird immer dann angeordnet, wenn aus Sicht der Fahrerlaubnisbehörde oder eines Richters berechtigte Zweifel an Ihrer Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges bestehen.

Die häufigsten Gründe sind

  • Wiederholte Alkoholfahrten oder Fahrten mit mehr als 1,6 Promille
  • Fahrten unter Drogeneinfluß
  • Straftaten im Straßenverkehr
  • wiederholte Fahrverbote
  • 8 oder mehr Punkte im Fahreignungsregister Flensburg
  • Sonstige Straftaten, die auf eine fehlenden Eignung und ein Aggressionspotential schließen lassen

Bemerkenswert ist dabei, dass insbesondere beim letzten Punkt, die Straftat durchaus einige Jahre zurückliegen kann, bevor die Fahrerlaubnisbehörde tätig wird.

Bestes Beispiel aus der Praxis: Der Mandant hatte mal als Heranwachsender eine Schlägerei und hat wegen Körperverletzung einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 500 EUR und einigen Sozialstunden erhalten. 6 Jahre später fordert die für ihn zuständige Fahrerlaubnisbehörde von ihm die Vorlage einer erfolgreich bestandenen MPU und droht mit Entzug der Fahrerlaubnis.

Folgen einer MPU Anordnung

Wir eine MPU angeordnet, bestehen Zweifel an Ihrer Eignung als Verkehrsteilnehmen.

Bei der MPU beurteilt ein Sachverständiger welches Risikopotential von dem Verkehrsteilnehmer ausgeht. Es wird Ihre charakterliche Eignung geprüft.

Ablauf der MPU

Die MPU besteht aus drei Teilbereichen

  • Der medizinischen Untersuchung (kann auch eine Überprüfung der Blutwerte nach Alkohol oder Drogen beinhalten)
  • Ein Reaktionstest
  • Das Gespräch mit einem Psychologen

In letzterem wird überprüft, inwieweit Sie aus Ihren Fehlern gelernt haben und wie sich Ihr Verhalten im Straßenverkehr geändert hat. Dieses Gespräch ist nicht zu unterschätzen. Psychologen erkennen sehr schnell ob Sie nur einen vorbereiteten Text vortragen. Dieses Gespräch dauert ca 45 Minuten.

Sie werden zu den Delikten befragt, die zur MPU geführt haben. Man fordert Sie auf die diesbezüglichen Verkehrssituationen zu schildern und Sie sollen erklären, wie Sie zukünftig in solchen Situationen reagieren werden. Sie müssen mit Zwischenfragen des Psychologen rechnen. Am Schluß gibt dieser eine Beurteilung ab. Fast 50 % der Teilnehmer scheitern hier.

Dies liegt vorallem daran, dass viele meinen, dass Sie ein Vorbereitungsseminar nicht benötigen, oder die Kosten dafür scheuen. Je nach Art und Umfang liegen die Kosten solcher Vorbereitungen zwischen 500 und 1500 EUR.

Auch im Internet werden Sie auf Angebote sogenannter Online Vorbereitung stoßen. Teilweise sogar mit „Geld zurück Garantie“. Wir können davon nur abraten. Für eine gute Beratung sollten die Berater über eine verkehrspsychologische Ausbildung verfügen und möglichst selbst diplomierte Pychologen sein.

Wichtig! Achten Sie beim Antrag auf eine MPU immer darauf, dass das abschließende Gutachten nur an Sie versandt wird, keinesfalls an die Führerscheinstelle. Diese wird nicht automatisch vom Ergebnis informiert. Nur wenn Sie der Übersendung an die Behörde ausdrücklich zustimmen, wird das Ergebnis dieser auch mitgeteilt.

Wann droht der Führerscheinentzug?

Wenn Sie den Nachweis einer MPU nicht innerhalb der gesetzten Frist erbringen, wird Ihnen die Fahrerlaubnisbehörde den Führerschein einziehen.

Die Fristen werden relativ kurz gesetzt, sodaß, wenn Sie einen Aufforderungsbescheid zur MPU bekommen, Eile geboten ist. Kümmern Sie sich umgehend um eine entsprechenden Beratung bzw. Schulung. Legen Sie die Teilnahmebescheinigung der Führerscheinstelle vor.

Die Wartezeit auf das MPU Gutachten wird auch unterschätzt. Das Gutachten kommt in vielen Fällen erst nach 6-8 Wochen.

Von M. R.