Kategorie: Verbraucherrechte

Nur mit dem eigenen Gutachter

Nur nur mit dem eigenen Gutachter

 

Kein Bonus für Entgegenkommen

 

Immer wieder versuchen Versicherungen Unfallgeschädigte zur eigenen Abwicklung ohne anwaltliche Hilfe zu überreden. Gleiches gilt für die Wahl des Sachverständigen Gutachters.

Glauben Sie uns, es gibt dafür keinen Bonus bei der gegnerischen Haftpflichtversicherung. Hinter der Zusicherung einer reibungslosen Abwicklung , steckt meistens eine Hinterlist der Versicherer.

Grundsätzlich sollten Sie immer auf einen eigenen Gutachter oder den von Ihrem Anwalt empfohlenen Gutachter bestehen. Die Kosten müssen, sofern Sie am Unfall keine Schuld tragen, immer von der gegnerischen Versicherung übernommen werden. Gleiches gilt übrigens auch für die Kosten des von Ihnen eingeschalteten Rechtsanwalts.

Versicherungen schicken schon deshalb gerne Ihre eigenen Gutachter, weil diese mit der Versicherung geringere Gebühren abrechnen und sich an Preisvorgaben der Versicherung bezüglich der Reparaturkosten halten. Positionen wie Wertminderung oder Restwerte fallen bei einem unabhängigen Gutachter mit großer Wahrscheinlichkeit höher aus.

Am Ende sparen die Versicherungen bei solchen entgegenkommenden Geschädigten leicht 20 bis 25 % der Schadenregulierung ein.

Der Trick mit der Nachbesichtigung

Immer häufiger kommt es vor, dass die gegnerische Versicherung eine Nachbesichtigung wünscht. Es ist ein Wunsch, dem Sie nicht zwingend zustimmen müssen. Verweigern Sie aber die Nachbesichtigung, wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Schadenregulierung aussergerichtlich nicht stattfinden. 

Grundsätzlich muss die Versicherung den Wunsch zu Nachbesichtigung begründen. Das bedeutet, dass Sie berechtigte Zweifel an der Höhe des von Ihnen vorgelegten Schadensgutachten hat, oder die vorgelegten Bilder des Schadens ggfs. mit dem von Ihnen oder dem Unfallgegner geschilderten Unfallhergang nicht in Einklang zu bringen ist.

Sie sollten, falls Sie von der Versicherung wegen einer Nachbegutachtung kontaktiert werden, immer Ihren Gutachter und bestenfalls auch Ihren Anwalt informieren. 

Diese können wesentlich besser beurteilen, ob die Anwesenheit Ihres Gutachters bei der Nachbesichtigung sinnvoll ist.

Hintergrund einer solchen Nachbesichtigung ist immer die Reduzierung der Schadensumme!

Keine Pflicht zur Inanspruchnahme der Kaskoversicherung

..auch ein Kredit muss nicht aufgenommen werden.

Das OLG München stellt sich auf die Seite der Unfallgeschädigten und sieht keine Pflicht des Geschädigten zur Geringhaltung des Schadens einen Kredit oder die eigene Kaskoversicherung in Anspruch zu nehmen.

Dies gilt zumindest dann, wenn der Schädiger die alleinige Schuld an dem Unfall trägt. Lediglich im Falle einer Teilschuld, wenn dann der Verlust an Schadenfreiheitsrabatt einen kleineren Betrag ergibt als der quotal selbst zu tragende Schadenanteil, könne die Inanspruchnahme der Vollkaskoversicherung doch zumutbar sein . (OLG München, Urteil vom 27.05.2020, Az. 10 U 6795/19).

Sollte der unfallgegnerische Haftpflichtversicherer zuviel Zeit benötigen um den Schaden zu regulieren und der Geschädigte hat diesen darauf Aufmerksam gemacht, dass er die Reparatur nicht vorfinanzieren kann, muss der Versicherer auch den Ausfallschaden tragen, wenn dieser über die kalkulierte Reparaturzeit hinausgeht. Im vorliegenden Fall waren es 105 Tage Nutzungsausfall, die der Versicherer zahlen musste.

Eine Kreditaufnahme ist nur im Ausnahmefall zumutbar, wenn durch diese der Geschädigte nicht wirtschaftlich über seine Verhältnisse belastet wird.

Unfallfrei im Kaufvertrag vom Händler

Welche Pflichten hat der Händler, wenn er ein Fahrzeug als "unfallfrei" weiterverkauft.

Grundsätzlich sollte man als Käufer eines Gebrauchtwagens davon ausgehen, dass dieser frei von Unfallschäden ist, wenn er so angeboten wird.

Aber, Vorsicht! Der Händler ist laut Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 19.06.2013 VIII ZR 183/12, nicht verpflichtet beim Ankauf eines Gebrauchtfahrzeugen, dass bei einer Sichtprüfung keine offensichtlichen Schäden aufweist, eine Reparaturhistorie beim Hersteller einzuholen.

Der BGH entschied, dass eine äußere fachmännische Sichtprüfung beim Ankauf eines Fahrzeugs ausreiche.

Des Weiteren besteht auch kein Auskunftspflicht gegenüber dem Käufer, dass keine Einsicht in die Reparaturhistorie des Fahrzeugs genommen wurde. Es sei denn der Verkäufer hat sich gegenüber dem Käufer dazu vorab verpflichtet.

Im vorliegenden Fall hatte die Käuferin eines Fahrzeugs den Gebrauchtwagenhändler auf Rückabwicklung des Kaufvertrages verklagt, da sich im Nachhinein herausgestellt hatte, dass das als unfallfrei verkaufte Fahrzeug Vorschäden hatte.