Autor: M. R.

Geblitzt aus der Mülltonne

Methoden der Ordnungsämter werden immer kreativer

Bußgelder aus Ordnungswidrigkeiten werden für die klammen Gemeinden immer wichtiger. Dabei lassen so manche Amtsleiter der Kreativität Ihrer Mitarbeiter freien Lauf.

Beim Blitzermarathon in Rendburg-Eckernförde eine Messvorrichtung getarnt in einer Mülltonne. Besonders hinterlistig wurde es, da genau an diesem Tag Mülltonnenleerung war und der Blitzer natürlich zwischen den zu leerenden Mülltonnen nicht erkennbar war.

Sind solche Tarnungen von Blitzanlagen überhaupt erlaubt?

Gesetzlich besteht keine Pflicht Geschwindigkeitsmessanlagen so aufzustellen, dass sie für Autofahrer erkennbar sind. Aus diesem Grund können Tarnnetze, Anhänger oder eben auch Mülltonnen zur Tarnung genutzt werden. Wäre dies nicht zulässig, wäre der Einsatz von mobile Blitzer hinfällig.

Dies bedeutet jedoch nicht,  dass wenn man aus einer solchen Anlage geblitzt wird, den Fall nicht durch einen Rechtsanwalt prüfen lassen sollte. Gerade bei diesen „Kreativ-Blitzanlagen“ ist die Wahrscheinlichkeit einer Fehlmessung oder Fehleinstellung relativ hoch. Fehler beim Aufstellen führen oft zu verfälschten Messergebnisse. Oftmals lohnt sich ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid.

Keine Pflicht zur Inanspruchnahme der Kaskoversicherung

..auch ein Kredit muss nicht aufgenommen werden.

Das OLG München stellt sich auf die Seite der Unfallgeschädigten und sieht keine Pflicht des Geschädigten zur Geringhaltung des Schadens einen Kredit oder die eigene Kaskoversicherung in Anspruch zu nehmen.

Dies gilt zumindest dann, wenn der Schädiger die alleinige Schuld an dem Unfall trägt. Lediglich im Falle einer Teilschuld, wenn dann der Verlust an Schadenfreiheitsrabatt einen kleineren Betrag ergibt als der quotal selbst zu tragende Schadenanteil, könne die Inanspruchnahme der Vollkaskoversicherung doch zumutbar sein . (OLG München, Urteil vom 27.05.2020, Az. 10 U 6795/19).

Sollte der unfallgegnerische Haftpflichtversicherer zuviel Zeit benötigen um den Schaden zu regulieren und der Geschädigte hat diesen darauf Aufmerksam gemacht, dass er die Reparatur nicht vorfinanzieren kann, muss der Versicherer auch den Ausfallschaden tragen, wenn dieser über die kalkulierte Reparaturzeit hinausgeht. Im vorliegenden Fall waren es 105 Tage Nutzungsausfall, die der Versicherer zahlen musste.

Eine Kreditaufnahme ist nur im Ausnahmefall zumutbar, wenn durch diese der Geschädigte nicht wirtschaftlich über seine Verhältnisse belastet wird.

Unfallfrei im Kaufvertrag vom Händler

Welche Pflichten hat der Händler, wenn er ein Fahrzeug als "unfallfrei" weiterverkauft.

Grundsätzlich sollte man als Käufer eines Gebrauchtwagens davon ausgehen, dass dieser frei von Unfallschäden ist, wenn er so angeboten wird.

Aber, Vorsicht! Der Händler ist laut Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 19.06.2013 VIII ZR 183/12, nicht verpflichtet beim Ankauf eines Gebrauchtfahrzeugen, dass bei einer Sichtprüfung keine offensichtlichen Schäden aufweist, eine Reparaturhistorie beim Hersteller einzuholen.

Der BGH entschied, dass eine äußere fachmännische Sichtprüfung beim Ankauf eines Fahrzeugs ausreiche.

Des Weiteren besteht auch kein Auskunftspflicht gegenüber dem Käufer, dass keine Einsicht in die Reparaturhistorie des Fahrzeugs genommen wurde. Es sei denn der Verkäufer hat sich gegenüber dem Käufer dazu vorab verpflichtet.

Im vorliegenden Fall hatte die Käuferin eines Fahrzeugs den Gebrauchtwagenhändler auf Rückabwicklung des Kaufvertrages verklagt, da sich im Nachhinein herausgestellt hatte, dass das als unfallfrei verkaufte Fahrzeug Vorschäden hatte.

Nutzungsentschädigung bei gewerblich genutzten Fahrzeugen

BGH vom 06.12.2018 – Az. VII ZR 285/17

Wer infolge eines Verkehrsunfalls sein Fahrzeug während der Reparatur nicht verfügbar hat, kann  die Kosten für einen Mietwagen oder sogenannten Nutzungsausfall beanspruchen, sofern ihm in dieser Zeit kein anderes Kraftfahrzeug zur Verfügung steht.

Dies gilt auch für gewerblich genutzte Fahrzeuge.

Über die Höhe des täglichen Nutzungsausfalls geben entsprechende Tabellenwerke Aufschluss, die alle gängigen Fahrzeuge abhängig von ihren Anschaffungskosten in Entschädigungsgruppen einteilen.

Dies gilt jedoch nicht für ausschließlich gewerblich genutzte Fahrzeuge. Der Halter eines gewerblichen Fahrzeugs muss konkret nachweisen, welcher Schaden ihm durch den unfallbedingten Ausfall entstanden ist.

Dies gilt nach Auffassung des Bundesgerichtshofs unabhängig davon, ob das ausgefallene Fahrzeug unmittelbar der Gewinnerzielung dient (z.B. Taxi oder Lkw eines Fuhrunternehmens), oder nur mittelbar der Gewinnerzielung dient, weil es zur Unterstützung einer anderen gewerblichen Tätigkeit eingesetzt wird.

Urteil des BGH vom 06.12.2018
Aktenzeichen: VII ZR 285/17
VersR 2019, 368

Neue STVo in Teilen ungültig

Die Novelle 2020 der StVO ist im Hinblick auf die Erhöhung der Bußgelder und Fahrverbote ungültig, da im Gesetzgebungsverfahren Formfehler gemacht wurde. Es kommen laut Aussage der meisten Landes-Verkehrsminister die alten Strafen zur Anwendung.

Jetzt bedarf es eines komplett neuen Gesetzgebungsverfahren und somit ist mit einer Änderung nicht vor 2021 zu rechnen.

Wenn Sie unsicher sind, wie die Anwendungspraxis in Ihrem Bundesland ist, sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt wenden.

Höhe und Dauer der Nutzungsentschädigung

Nutzungsausfallentschädigung und Schadensminderungspflicht

Das OLG Koblenz hat bereits am13.06.2016 in seinem Urteil 12 U 1127/15 entschieden, dass wenn ein Geschädigter dem Versicherer unmittelbar nach dem Unfall, d.h. in der Regel im Rahmen der Schadenbezifferung, bereits mitteilt, dass er zu einer Vorfinanzierung der Reparatur aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage ist, hat der Geschädigte einen Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung bis zur Anschaffung eines Ersatzfahrzeuges. 

Voraussetzung ist jedoch ein Nachweis dieses Umstandes, z.B. durch eine Bestätigung der Hausbank, oder eines anderen Finanzierers.

Auch muss der Geschädigte nicht zunächst seine Kaskoversicherung in Anspruch nehmen. Der Unfallgeschädigte muss im Hinblick auf seine Schadensminderungspflicht seine Kaskoversicherung allenfalls dann in Anspruch nehmen, wenn von vornherein damit zu rechnen ist, dass er einen Teil seines Schadens selbst tragen muss, nicht aber in den Fällen, in denen die volle Haftung der Gegenseite in Frage steht.

S.auch OLG Düsseldorf, Urteil vom 15.10.2007, 1 U 52/07.

Das OLG Düsseldorf verweist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf, dass Sinn und Zweck der Kaskoversicherung nicht die Entlastung des Schädigers ist.

Im vorliegenden Fall des OLG Koblenz,  überstieg die geforderte Nutzungsausfallentschädigung von 224 Tagen x 65,00 Euro , somit  14.560,00 Euro, den von dem Sachverständigen angesetzten Wiederbeschaffungswert von 10.500,00 € deutlich. Die Höhe der Nutzungsausfallentschädigung ist jedoch nicht durch den Wert des Fahrzeugs begrenzt (BGH NJW 2005, 1044). Letztlich sind die Beklagten für die Höhe der zu zahlenden Nutzungsausfallentschädigung verantwortlich, denn sie hätten es in der Hand gehabt, diese Entschädigung etwa durch eine frühere Ersatzleistung oder durch einen Vorschuss in Grenzen zu halten.

Für den Fall, dass eine Reparatur eines Unfallschadens nicht vorfinanziert werden kann,  ist es daher immer erforderlich, sofort mit der Hausbank zu sprechen und sich bestätigen zu lassen, dass diese den Reparaturbetrag nicht vorfinanzieren will.